Brandbrief an Bundesminister Lemke und Habeck: "Atomgeschäfte in Lingen mit Russland sofort beenden"

22.09.22
UmweltUmwelt, Internationales, Bewegungen, NRW, TopNews 

 

Russisches Uranschiff wieder auf dem Weg

Von BBU

Mehrere Anti-Atom-Initiativen aus Niedersachsen und NRW sowie der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) fordern in einem Brandbrief an Bundesumweltministerin Steffi Lemke und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ein sofortiges Ende der Atomgeschäfte zwischen der Brennelementefabrik Lingen und dem staatlichen russischen Atomkonzern Rosatom. Aktueller Anlass ist, dass das russische Atomschiff "Mikhail Dudin" erneut auf dem Weg von St.
Petersburg nach Rotterdam bzw. Dünkirchen ist, während gleichzeitig der russische Präsident Vladimir Putin seinen brutalen Angriffskrieg in der Ukraine massiv eskaliert.

Die Umweltorganisationen und der BBU gehen davon aus, dass sich erneut angereichertes Uran für die Brennelementeproduktion des französischen Atomkonzerns Framatome an Bord der "Mikhail Dudin" befindet. Framatome betreibt im emsländischen Lingen die einzige deutsche Brennelementefabrik. Vor zwei Wochen hatte das Bundesumweltministerium bestätigt, dass Framatome wieder Uran aus Russland importiere, sich aber geweigert, die dafür vorliegenden Genehmigungen zu annullieren. Der Geschäftsführer von Framatome Lingen, Reimann, hatte damals in der Presse nur für einen Zeitraum "in den nächsten beiden Wochen" Importe von russischem Uran ausgeschlossen. Dieser Zeitraum ist nun abgelaufen.

In dem heutigen Brief an die beiden Minister_innen Lemke und Habeck heißt es wörtlich:

"Wir fragen Sie: Wieviel neue militärische Aggression von Präsident Putin sind Sie bereit hinzunehmen, bis Sie diese höchst brisanten Atomgeschäfte mit Russland einstellen? Wir erinnern daran, dass Rosatom direkt dem Kreml untersteht und im besetzten AKW Saporischschja die fachliche Besatzungs-Aufsicht durchführt – und zugleich für militärische Atomprojekte zuständig ist.

Wer jetzt mit Rosatom Atomgeschäfte durchführt, rechtfertigt damit indirekt auch die militärische Besetzung von Saporischschja und untergräbt die Solidarität mit der Ukraine. Rosatom ist kein normaler Handelspartner."

Die "Mikhail Dudin" läuft laut der Marine-Website Vesselfinder aktuell am kommenden Montag, 26. September, um 8 Uhr in den Hafen von Dünkirchen ein. Zunächst war Rotterdam als Zielhafen angegeben. Nach den Erfahrungen des letzten Urantransports ist auch kurzfristig mit weiteren Änderungen zu rechnen.

Die Initiativen und der BBU kritisieren auch den französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Gestern forderte er angesichts der weiter zunehmenden Aggression Putins in der Ukraine "maximalen Druck" auf Russland. Das erweist sich als Heuchlerei, wenn Frankreich gleichzeitig über den staatlich geführten Atomkonzern Framatome auch in Lingen weiter seine Atomgeschäfte mit Russland fortführt, so als sei nicht geschehen. Framatome ist eine Tochter des staatlichen französischen Energieriesen EdF. Ausgerechnet in der französischen Brennelementefabrik von Framatome, in Romans-sur-Isere, ist es gestern zudem zu einem Brand gekommen.

1. Oktober: Anti-Atom- und Energiewende-Demo in Lingen

Ein Bündnis aus Umweltorganisationen ruft für Samstag, 1. Oktober, zu einer Anti-Atom- und Energiewende-Demo in Lingen auf. Auftakt ist um 13 Uhr vor dem Bahnhof in Lingen. Dort werden sowohl regionale Gruppen wie auch Vertreter_innen von Fridays for Future sowie der russische Umweltaktivist Vladimir Slivyak sprechen. Slivyak ist Co-Vorsitzender der in Russland verfolgten Umweltorganisation Ecodefense und Träger des Alternativen Nobelpreises.

Ziel der Demo ist es, die Urangeschäfte mit Russland zu stoppen, die Brennelementefabrik in Lingen und die Urananreicherungsanlage Gronau stillzulegen, die Laufzeitverlängerungen für die drei verbliebenen deutschen AKW zu verhindern und zugleich den Ausbau der Erneuerbaren massiv zu beschleunigen.







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