Humanity 1: Gerettete dürfen an Land

23.09.22
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Von SOS Humanity

Die 398 von der zivilen Seenotrettungsorganisation SOS Humanity geretteten Menschen, darunter 178 Minderjährige, können ab heute im Hafen von Tarent in Süditalien von Bord des Rettungsschiffs Humanity 1 gehen. Nach 18 Anfragen und zwölf Tagen des Wartens war der Crew schließlich Montagnacht ein sicherer Ort für die aus Seenot geretteten Menschen zugewiesen worden. Nach zwei weiteren Tagen Fahrt ist die Humanity 1 Mittwochabend in der Bucht vor Taranto eingetroffen.

„Das Wetter hat sich auf unserer zweitägigen Anfahrt zu unserem zugewiesenen Hafen in Taranto verschlechtert“, berichtet Barbara, die ehrenamtliche Ärztin auf Humanity 1. „Nach zum Teil über zwei Wochen an Bord waren die Geretteten an Deck starkem Wind und Seegang ausgesetzt, haben gefroren und waren seekrank. Der fieberhafte Infekt hat sich unter den Kindern und Erwachsenen an Bord weiter ausgebreitet. Wegen des Wassermangels konnten wir tagelang weder Duschen noch Wäschewaschen ermöglichen.“ 

Auf dem Rettungsschiff befinden sich noch 398 Menschen, die auf ihrer Flucht über das zentrale Mittelmeer in seeuntüchtigen Booten von der Hilfsorganisation SOS Humanity in vier Einsätzen gerettet wurden. Sie stammen aus 16 unterschiedlichen Ländern, unter anderem aus Bangladesch, Gambia, Libanon, Mali, Nigeria, Syrien und Sudan. Von den ursprünglich 414 geretteten Menschen wurden drei Säuglinge, deren Mütter nicht mehr stillen konnten, mit ihren Familien von italienischen Behörden medizinisch notevakuiert. An Bord sind aktuell 55 Kinder, davon sind rund die Hälfte erkrankt. Auch die 110 unbegleiteten Minderjährigen sind besonders schutzbedürftig. Vielen Geretteten an Bord geht es nicht nur körperlich, sondern auch psychisch nicht gut, die Anspannung ist groß.

„Aus psychologischer Sicht sind die Geretteten in dieser Situation besonders verletzlich: Sie befinden sich im Transit von einem Ort, den sie verlassen mussten, zu einem, den sie noch nicht kennen. Dabei fühlen sie sich sehr einsam“, erklärt Lisa, Beauftragte für mentale Gesundheit auf der Humanity 1. „Das psychische Leid hat seine Wurzeln in den Umständen, denen die Geretteten in ihren Heimatländern ausgesetzt waren. Die Überlebenden an Bord berichten von Morddrohungen und Entführungen. Dennoch zeigen diese Menschen ein unglaubliches Maß an Hoffnung und innerer Stärke, das mich beeindruckt.“

Bei der Ausschiffung der Geretteten werden am heutigen Donnerstag zuerst diejenigen von Bord gehen, die dringend medizinische Behandlung an Land benötigen: darunter eine Person mit einem gebrochenen Arm, eine mit einer Schusswunde und eine mit einer Darmblutung.

„Die tagelange prekäre Situation auf der Humanity 1 wäre vermeidbar gewesen, hätten die Behörden umgehend nach den Rettungen einen sicheren Ort für die Geretteten zugewiesen, wie es das Seerecht vorschreibt“, sagt Mirka Schäfer, Menschenrechtsbeobachterin von SOS Humanity an Bord des Rettungsschiffes. „Zudem haben die infrage kommenden Behörden wieder einmal bei den Rettungen nicht umfassend informiert und zügig koordiniert, wie es ihre Pflicht ist.“

Mit einer Petition fordert SOS Humanity Bundesinnenministerin Nancy Faeser auf, sich dafür einzusetzen, dass im Mittelmeer Notrufe beantwortet und Rettungen bei Seenotfällen umfassend und zeitnah koordiniert werden.  







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