„1,5 Grad sind tot.”

28.10.22
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Von Scientist Rebellion

Mehr als 1000 Wissenschaftler*innen warnen: „1,5 Grad sind tot.”

Mehr als 1000 Akademiker:innen aus 50 Ländern unterzeichneten einen offenen Brief an ihre Kolleg:innen und fordern dazu auf, „der Öffentlichkeit klar mitzuteilen, was beim Thema Klimakrise und Biodiversitätsverlust bereits bei Diskussionen innerhalb der Wissenschaft eindeutig ist.” Der offene Brief beruht auf einer Initiative der Klima-Aktionsgruppe Scientist Rebellion und wurde von führenden Akademiker:innen diverser Fachbereiche sowie Leitautor:innen des IPCC unterzeichnet. Die vollständige Namensliste finden Sie [hier].

Prof. Marta Guadalupe Rivera Ferre, Unterzeichnerin des Briefes, teilte mit: „Dies ist eine wegweisende Stellungnahme der akademischen Gemeinschaft. Sie unterstreicht die dringende Notwendigkeit, dass Expert:innen der Öffentlichkeit, der Politik und der Umweltbewegung deutlich machen, dass es keinen realisierbaren Weg mehr gibt, unterhalb von der 1,5°C-Marke zu bleiben."

Dr. Stella Nyambura Mbau, promovierte wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich nachhaltiger Entwicklung, hat ebenfalls den offenen Brief unterzeichnet. Sie sagt: „Es ist dringend erforderlich, dass Akademiker:innen aus dem Globalen Norden ihre Stimme erheben und das Versagen klar benennen: 1,5°C Erderwärmung ist nicht mehr einzuhalten – 1,5°C ist tot! Akademiker:innen im Globalen Norden sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein, weil sie den Zentren der politischen und ökonomischen Macht, die dem Handeln für das Klima entgegenstehen, so viel näher sind als ihre Kolleg:innen im Globalen Süden. Das Handeln der Wissenschaft war noch nie so dringend wie jetzt, wo wir einer Welt von weit über 1,5°C entgegen sehen.

Im dem Brief wird festgestellt: „Führende Akademiker:innen akzeptieren, dass es keinen glaubhaften Weg mehr für 1,5°C gibt. Ein Einhalten der 1,5°C würde voraussetzen, dass die globalen Emissionen vor 2025 einen Höhepunkt erreichen und bis 2030 um 43% reduziert werden. Sogar das würde sehr wahrscheinlich dazu führen, dass die 1,5°C-Grenze innerhalb der nächsten zehn Jahre überschritten wird. Das optimistischste Szenario im Bericht des IPCC beruht auf den hypothetischen Einsatz von Technologien zum Entfernen von Kohlendioxid aus der Atmosphäre in großem Maßstab, um die globale Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts wieder herunter zu bringen.

Des Weiteren macht der Brief deutlich: „Weiterhin öffentlich zu sagen, dass das Einhalten des 1,5°C-Limits noch möglich sei, ist nicht länger zu rechtfertigen. Dennoch bestehen Politker:innen, führende Akademiker:innen und Teile der Umweltbewegung weiter darauf, daran festzuhalten. Als Folge daraus werden die Industriezweige mit hohen Emission und Schadstoffausstoß sowie die Entscheidungsträger ungewollt ermutigt, sich einer schnellen Dekarbonisierung entgegen zu stellen."

Prof. Bill McGuire, weiterer Unterzeichner des Briefes und emeritierter Professor für Geophysik und Klimarisiken am University College London, sagte: „Öffentlich den Eindruck zu erwecken, dass wir auf dieser Seite der Grenze des gefährlichen Klimawandels bei 1,5°C stehen bleiben könnten, ist schlicht verkehrt. Zum einen suggeriert es, dass wir dem allumfassenden Klimakollaps noch ausweichen können, zum anderen entbindet es Politiker:innen von einer Rechtfertigung ihres Versagens, zum dritten bietet es die Chance für dreckige Unternehmen weiter Treibhausgase und Schadstoffe zu emittieren.

Der offene Brief ruft die Gemeinschaft der Wissenschaftler:innen, die in verschiedensten Fachbereichen zu Aspekten des Klimawandels arbeiten, dazu auf, im Vorfeld von COP27 öffentlich auf folgende Weise Stellung zu nehmen:

Erstens, macht deutlich, dass wir das 1,5°C Ziel unweigerlich verfehlen werden, so wie es im letzten Bericht des IPCC dargestellt wird."

Zweitens, setzt als Ziel die Herausforderung, die Temperaturerhöhung „deutlich unter 2°C” zu halten (im Einklang mit dem Pariser Abkommen von 2015), indem ihr den unwahrscheinlichen Annahmen zu möglichen Technologien für negative Emissionen weniger Raum gibt. Das entspricht der wissenschaftlichen Ungewissheit bei diesem Thema und zeigt der Öffentlichkeit die ungeheure Größe der Schwierigkeit, die Kohlenstoffemissionen in Übereinstimmung mit der wissenschaftlich ermittelten Notwendigkeit zu verringern.

Letztens, macht öffentlich deutlich, dass die drei Säulen des Handelns gegen die Klimakrise – Minderung (Mitigation), Anpassung und Ausgleich (von Verlusten und Schäden) – wirksam sind. Das bedeutet, als ein minimaler Startpunkt, dass die reichen Nationen das noch immer nicht-eingelöste Versprechen erfüllen, 100 Milliarden USD pro Jahr an ärmere Länder zu zahlen, damit diese mit dem Klimawandel besser zurecht kommen können.

 







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